Wann ABS oder ASA – und wann nicht
ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) und ASA (Acrylnitril-Styrol-Acrylat) sind die technischen Klassiker im FDM-Druck. Beide sind hitzebeständig, schlagfest und dimensionsstabil – ideal für funktionale Teile, die mehr aushalten müssen als PLA oder PETG. ASA bringt zusätzlich eine hervorragende UV-Beständigkeit mit und ist damit die erste Wahl für Outdoor-Einsatz.
Der Preis dafür: Beide Materialien erfordern ein geschlossenes Gehäuse, warpen leicht und emittieren beim Drucken Dämpfe. Ohne Enclosure wird man mit ABS und ASA nicht glücklich. Aber mit dem richtigen Setup liefern sie Ergebnisse, die kein anderes FDM-Material erreicht.
Auf dieser Seite findest du meine Empfehlungen für bewährte ABS- und ASA-Filamente, konkrete Druckeinstellungen, Warping-Prävention und Lösungen für typische Probleme. Alles basiert auf eigenen Erfahrungen mit geschlossenen Druckern.
Meine Top Picks: ASA & ABS
🥇 Beste Gesamtwahl: Polymaker ASA 1.75 mm (1 kg)
Polymaker ASA hat mich am meisten überzeugt: weniger Warping als die meisten Konkurrenten, gute Oberfläche und zuverlässige UV-Stabilität. Es lässt sich in einem geschlossenen Drucker fast so unkompliziert drucken wie PETG – mit deutlich besseren mechanischen Eigenschaften.
- Weniger Warping als die meisten ASA-Alternativen
- Gute UV-Beständigkeit für dauerhafte Outdoor-Teile
- Angenehme, leicht matte Oberfläche
- Moderater Geruch (mit Gehäuse und Filter gut handhabbar)
💰 Budget-Tipp: eSun ABS+ 1.75 mm (1 kg)
eSun ABS+ ist die günstige Variante für alle, die ABS brauchen, aber nicht das Doppelte zahlen wollen. Das Plus-Material warpt etwas weniger als normales ABS und ist zäher. Für technische Prototypen und Teile, die nicht UV-stabil sein müssen, eine solide Wahl.
- Günstiges ABS mit verbesserter Schlagfestigkeit (Plus-Formel)
- Weniger Warping als Standard-ABS
- Grosse Farbauswahl
- Zuverlässig mit richtigem Enclosure-Setup
✨ Premium: Prusament ASA 1.75 mm (1 kg)
Prusament ASA liefert die gewohnte Prusa-Qualität: enge Toleranzen, chargengeprüft und sehr konsistente Ergebnisse. Für Projekte, bei denen es auf Reproduzierbarkeit und maximale UV-Stabilität ankommt, die beste Option im Test.
- Chargengeprüft mit ±0.02 mm Toleranz
- Sehr gute UV- und Witterungsbeständigkeit
- Europäische Fertigung
Mini-Vergleich: ASA & ABS Filamente
| Filament | Druckbarkeit | Warp-Risiko | UV-Stabilität | Preisniveau | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|---|
| Polymaker ASA | ★★★★☆ | ★★★★☆ | ★★★★★ | €€ | Allround ASA |
| eSun ABS+ | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | ★★★☆☆ | € | Budget ABS |
| Prusament ASA | ★★★★★ | ★★★★☆ | ★★★★★ | €€€ | Premium ASA |
★★★★★ = hervorragend / geringes Risiko · Alle mit geschlossenem Gehäuse getestet.
Worauf achten beim ABS/ASA-Kauf
Warping: das grösste Thema
ABS und ASA schrumpfen beim Abkühlen stark. Ohne Gehäuse wird fast jeder Druck warpen. Ein geschlossener Drucker (z.B. Bambu Lab P1S) oder ein Nachrüst-Enclosure ist praktisch Pflicht.
Einhausung / Enclosure
Das Gehäuse muss nicht teuer sein – selbst eine einfache IKEA-Lack-Einhausung hilft. Wichtig ist eine stabile Temperatur im Druckraum ohne Zugluft. Ideale Kammertemperatur: 40–60 °C.
Geruch und Belüftung
Beide Materialien emittieren Styrol-Dämpfe. Drucker mit Aktivkohlefilter (wie der P1S) sind ein Plus. Den Raum nach dem Druck lüften. Nicht im Schlafzimmer drucken.
Bett-Temperatur und Haftmittel
100–110 °C Betttemperatur. Texturiertes PEI funktioniert gut. Bei hartnäckigem Warping hilft ein Klebestift oder ABS-Slurry (aufgelöstes ABS in Aceton) als Haftschicht.
ABS/ASA Troubleshooting – meine Erfahrungen
Warping / Ecken lösen sich
Gehäuse schliessen, Zugluft eliminieren, Betttemperatur auf 100–110 °C, erste Schicht langsam drucken. Brim verwenden bei grossen, flachen Teilen. Klebestift als zusätzliche Haftschicht. Das hat bei mir die meisten Warping-Probleme gelöst. Mehr dazu: Warping beheben.
Risse zwischen Layern (Layer-Split)
Temperatur zu niedrig oder Gehäuse nicht warm genug. Düsentemperatur um 5–10 °C erhöhen und sicherstellen, dass die Kammertemperatur stabil bleibt. Bauteilkühlung auf 0 % oder maximal 10 %.
Starker Geruch
Aktivkohlefilter verwenden, wenn vorhanden. Raum nach dem Druck lüften. ABS riecht tendenziell stärker als ASA. Bei empfindlicher Nase: ASA bevorzugen.
Druck haftet nicht am Bett
Bett reinigen (IPA), Temperatur erhöhen (mindestens 100 °C), Klebestift oder ABS-Slurry auftragen. Erste Schicht besonders langsam und flach drucken.
Oberfläche ungleichmässig
Temperatur-Schwankungen im Gehäuse. Tür nicht während des Drucks öffnen. Gleichmässige Kammertemperatur ist wichtiger als die exakte Düsentemperatur.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen ASA und ABS?
ASA ist UV-stabiler und witterungsbeständiger als ABS – ideal für Outdoor-Teile. ABS ist günstiger und seit Jahrzehnten bewährt, aber vergilbt und wird spröde unter UV-Licht. Beide brauchen ein Gehäuse. Für neue Projekte empfehle ich ASA, wenn der Preis passt.
Brauche ich ein geschlossenes Gehäuse?
Ja, dringend empfohlen. Ohne Gehäuse warpen ABS und ASA massiv. Ein geschlossener Drucker oder eine Nachrüst-Einhausung stabilisiert die Temperatur und macht den Unterschied zwischen Frust und zuverlässigen Ergebnissen.
Warum warpt ABS/ASA so stark?
Beide Materialien schrumpfen beim Abkühlen deutlich (Wärmeausdehnung). Wenn verschiedene Bereiche des Drucks unterschiedlich schnell abkühlen, entsteht Spannung – der Druck verzieht sich. Gleichmässige Kammertemperatur und gute Betthaftung sind die wichtigsten Gegenmassnahmen.
Welche Bettoberfläche funktioniert am besten?
PEI (texturiert oder glatt) funktioniert für die meisten ABS/ASA-Drucke gut. Bei grossen, flachen Teilen hilft ein Klebestift oder ABS-Slurry (ABS-Reste in Aceton aufgelöst) als zusätzliche Haftschicht. Glas mit Klebestift ist eine günstige Alternative.
Sind die Dämpfe von ABS/ASA gefährlich?
ABS und ASA emittieren beim Drucken Partikel und flüchtige Verbindungen (VOCs), darunter Styrol. In einem geschlossenen Raum ohne Belüftung ist das nicht ideal. Ein Gehäuse mit Aktivkohlefilter und regelmässiges Lüften nach dem Druck reduzieren die Belastung. Nicht im Schlafzimmer oder in schlecht belüfteten Räumen drucken.