Warum PETG – und für wen
PETG (Polyethylenterephthalat-Glycol) ist das Material, wenn PLA nicht robust genug ist. Es ist zäher, hitzebeständiger, UV-stabiler und chemisch resistenter. Mechanisch belastete Teile, Outdoor-Objekte, Behälter und funktionale Halterungen – dafür ist PETG gemacht.
Der Haken: PETG ist anspruchsvoller zu drucken als PLA. Es stringt gern, reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und braucht höhere Temperaturen. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Einstellungen und einem trockenen Filament liefert PETG sehr zuverlässige Ergebnisse. Ich drucke mittlerweile fast alle funktionalen Teile aus PETG.
Auf dieser Seite findest du meine Top-Picks mit konkreten Settings, eine Vergleichstabelle, Tipps zum Kauf und einen Troubleshooting-Abschnitt für die häufigsten PETG-Probleme. Alles basiert auf meinen eigenen Druckerfahrungen.
Meine Top 3 PETG Picks
🥇 Beste Gesamtwahl: Prusament PETG 1.75 mm (1 kg)
Prusament PETG hat die engsten Toleranzen, die ich bei PETG kenne. Jede Charge wird geprüft und das Protokoll ist online einsehbar. Die Druckergebnisse sind extrem konsistent – weniger Stringing als bei vielen Konkurrenten und eine schöne, leicht glänzende Oberfläche.
- Engste Toleranzen im PETG-Segment (±0.02 mm chargengeprüft)
- Deutlich weniger Stringing als bei günstigeren PETG-Marken
- Gute Layerhaftung bei moderaten Geschwindigkeiten
- Europäische Fertigung mit transparenter Qualitätskontrolle
💰 Preis-Leistung: eSun PETG 1.75 mm (1 kg)
eSun PETG ist mein Arbeitstier für funktionale Teile, bei denen es nicht auf Perfektion ankommt. Die Rolle ist günstig, druckt zuverlässig und die Ergebnisse sind für den Preis überraschend gut. Etwas mehr Stringing als Prusament, aber mit trocknem Filament absolut akzeptabel.
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Zuverlässig und in vielen Farben verfügbar
- Gute mechanische Festigkeit
- Saubere Wicklung – keine Tangle-Probleme
🎨 Farben & Oberfläche: Polymaker PolyLite PETG 1.75 mm (1 kg)
Polymaker liefert bei PETG eine etwas mattere, angenehmere Oberfläche als viele Konkurrenten. Die Kartonspule ist ein Plus, die Farbauswahl ist gross und die Chargen sind konsistent. Für sichtbare Teile, bei denen die Oberfläche zählt, eine gute Wahl.
- Angenehme, leicht matte Oberfläche
- Grosse Farbpalette
- Kartonspule – umweltfreundlicher und leichter
- Konsistent über verschiedene Chargen
Mini-Vergleich: PETG Filamente im Überblick
| Filament | Druckbarkeit | Stringing | Wicklung / Feeding | Preisniveau | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|---|
| Prusament PETG | ★★★★★ | ★★★★☆ | ★★★★★ | €€€ | Allround-Tipp |
| eSun PETG | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | € | Preis-Leistung |
| Polymaker PolyLite PETG | ★★★★☆ | ★★★★☆ | ★★★★☆ | €€ | Oberfläche / Farben |
★★★★★ = hervorragend · Preisniveau: € = günstig, €€ = mittel, €€€ = gehoben. Bewertung aus eigener Druckerfahrung.
Worauf achten beim PETG-Kauf
Stringing ist normal – aber kontrollierbar
PETG stringt mehr als PLA, das liegt am Material. Komplett stringfrei wird es selten. Aber mit trockenem Filament, niedrigerer Temperatur und etwas mehr Retraction bekommt man es sehr gut in den Griff. Der grösste Hebel: Feuchtigkeit.
Kühlung: weniger ist mehr
PETG mag wenig bis moderate Bauteilkühlung. Zu viel Lüfter schwächt die Layerhaftung und kann zu matten Stellen führen. Ich drucke PETG meist mit 30–50 % Lüfter, ausser bei Überhängen.
Bett-Haftung
PETG haftet sehr gut – manchmal zu gut. Auf einer glatten PEI-Platte kann der Druck regelrecht festkleben und das Bett beschädigen. Lösung: texturierte PEI-Platte verwenden oder einen dünnen Trennfilm (Klebestift, Haarspray) als Release-Layer auftragen.
Feuchtigkeit
PETG ist hygroskopischer als PLA und nimmt schneller Feuchtigkeit auf. Feuchtes PETG stringt massiv und bildet Blasen. Drybox oder Vakuumbeutel sind bei PETG keine Kür, sondern Pflicht. Trocknen bei 60–65 °C für 4–6 Stunden.
PETG Troubleshooting – was ich aus der Praxis gelernt habe
Stringing und Blobs überall
Erstens: Filament trocknen. Zweitens: Temperatur um 5 °C senken. Drittens: Retraction leicht erhöhen und Reisegeschwindigkeit hochsetzen. In dieser Reihenfolge hat es bei mir immer funktioniert.
Druck klebt zu stark am Bett
PETG auf glattem PEI kann das Bett beschädigen. Lösung: texturiertes PEI verwenden, Klebestift als Trennschicht oder Z-Offset minimal erhöhen. Den Druck nie mit Gewalt vom Bett reissen.
Druck haftet nicht am Bett
Bett zu kalt oder zu weit weg. Betttemperatur auf 80–85 °C erhöhen, erste Schicht langsamer drucken und Bett mit IPA reinigen. PETG braucht ein sauberes, fettfreies Bett.
Matte Stellen auf der Oberfläche
Meist zu viel Bauteilkühlung. Lüfter auf 30–50 % reduzieren. Bei manchen Geometrien hilft auch eine leicht höhere Temperatur für eine gleichmässigere Oberfläche.
Blasen / knisternde Extrusion
Feuchtes Filament. Trocknen bei 60–65 °C für 4–6 Stunden. Danach sofort in Drybox lagern. PETG reagiert stärker auf Feuchtigkeit als PLA.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen PETG und PLA?
PETG ist zäher, hitzebeständiger (weich ab ca. 80 °C vs. 55 °C bei PLA) und UV-stabiler. Dafür stringt es mehr, braucht höhere Temperaturen und ist empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit. PLA ist einfacher zu drucken, PETG liefert robustere Teile.
Welche PETG-Temperatur ist ein guter Startpunkt?
235 °C Düse und 80 °C Bett ist ein solider Ausgangspunkt. Manche Filamente laufen besser bei 230 °C, andere bei 245 °C. Immer vom Hersteller-Empfehlung ausgehen und in 5-Grad-Schritten feintunen.
Warum stringt PETG so stark?
PETG ist zähflüssiger als PLA und zieht Fäden beim Reisen. Das ist materialtypisch. Reduzieren lässt es sich durch: Temperatur senken, Retraction erhöhen, Reisegeschwindigkeit hochsetzen – und vor allem durch trockenes Filament. Feuchtigkeit ist der häufigste Stringing-Verstärker.
Ist PETG für draussen geeignet?
Ja, deutlich besser als PLA. PETG ist UV-stabiler und wird erst ab ca. 80 °C weich. Für Garten, Balkon oder Auto-Zubehör eine gute Wahl. Für dauerhafte UV-Belastung über Jahre ist ASA nochmals stabiler.
Muss ich PETG trocknen?
Ja, deutlich eher als PLA. PETG nimmt schneller Feuchtigkeit auf und reagiert stärker darauf (Stringing, Blasen, raue Oberfläche). Trocknen bei 60–65 °C für 4–6 Stunden und danach in Drybox oder Vakuumbeutel lagern.